Busfahren will gelernt sein
Was ich gestern erlebte, wäre ein nettes Thema für einen Schulaufsatz.
Wir wohnen nun mittlerweile seit September 04 hier und ich bin bisher immer mit dem Auto zu Arbeit gefahren. Mehrfach hatte ich daran gedacht, die Busverbindung mal auszuprobieren für den Tag X, wenn das Auto streikt oder aus anderen Gründen nicht zur Verfügung steht. Doch niemals hatte ich diesen Probelauf wirklich gemacht.
Gestern war dann Tag X.
Es ist einfach mit dem Bus zu fahren. Man nimmt den Fahrplan zur Hand, sucht sich die Strecke aus, findet die Bus-Nr. und wählt eine Haltestelle und Abfahrtzeit. Wenn man dann noch einen Fahrschein hat, kann es losgehen. Wo ist das Problem?
Freitag- Feierabend. Alle Vorbereitungen waren getroffen, ich stand um 17:36 Uhr an der richtigen Haltestelle, der Bus Nr. 55 kam, ich stieg ein, fand einen netten Platz und los ging die Fahrt. Ich war sicher, in ca. einer halben Stunde zu Hause auf der Couch zu sitzen und genoss das Geschaukel und die Aussicht, das Rein- und Rauswuseln der Fahrgäste. Wir passierten diverse kleine Orte, die mir allesamt vertraut waren, da ich die Strecke jeden Tag zweimal mit dem Auto fuhr.
Alles prima bis die Busfahrerin an einer Haltestelle entlang der Landstraße, irgendwo im Nirgendwo, ca. 9 km vor meinem Ziel, durchsagte:
„Endstation bitte alles aussteigen!!
Ein Mann mit Rucksack und ich wurden also gebeten, den Bus zu verlassen. Wir standen in der Pampa und ich schaute ihn ratlos an. Er grinste und meinte, das wäre ihm schon öfter passiert. Der Trick dahinter ist der: Es gibt zwei Busse mit der Nr. 55 zur selben Abfahrtzeit. Auf der Anzeigetafel des einen Busses steht nur die Nummer und auf der des anderen Busses kann man die Nummer 55 und das Fahrtziel lesen. Wählt man den zweiten Bus, dann passiert man meinen Wohnort.
Es ist ganz easy. Einfach nur in den richtigen Bus steigen.
Als er das so erzählte, fiel mir wieder ein, dass ich mich auf der Autobahn gewundert hatte, als ein weiterer Bus Nr. 55 uns überholte. Aber ich dachte, das wäre so, weil Freitagnachmittag eben viele Leute diese Linie benutzten. Jetzt war mir schlagartig klar, dass das „mein“ Bus gewesen wäre.
Alles nicht so schlimm. Das Wochenende stand vor der Tür und ich wollte mir von solchen Nichtigkeiten nicht die Laune versauen lassen. Also studierte ich den Fahrplan an der Haltestelle. Doch oh Schreck!!!!! Der nächste Bus sollte erst in einer geschlagenen Stunde kommen. Mein Leidensgenosse, der wie ich bereits getestet hatte, nicht sehr gesprächig war, zündete sich eine Zigarette an und setzte sich dann auf die Bank in der Haltestelle. Er packte einen Roman aus und fing an zu lesen.
Na Bravo! Somit fiel sein Unterhaltungswert für mich endgültig auf Null.
Plan A: Kurz entschlossen trat ich den geordneten Rückzug an. Mit meiner Lederjacke überm Arm, der übergroßen Handtasche und einem Stockschirm ging ich los Richtung letzte Ortschaft, zwei Bushaltestellen zurück also. Ich wollte die Zeit sinnvoll nutzen und ein paar Besorgungen machen. Wenn dann immer noch elendig viel Zeit wäre, bis zur Abfahrt des ersehnten Busses 55 + Fahrtziel, dann käme Plan B zum Tragen. Ich würde ein Taxi rufen. Die 9km könnten ja nicht soooo teuer werden.
Der Fußmarsch zog sich ganz schön in die Länge. Zum Glück regnete es grade mal nicht. Als ich dann endlich kurz nach 18 Uhr im Zentrum des kleinen Städtchens angekommen war, drückte ich mir die Nase an der verschlossenen Tür des Lebensmittelladens platt. Der Inhaber, der drinnen noch was aufräumte, schüttelte bedauernd den Kopf und meinte durch die Glastür: “Sorry, wir haben geschlossen.“
Toll! Ganz toll!!!
Ich war nun wirklich leicht sauer und wählte Plan B. Vorher checkte ich, was ich an Geld dabei hatte und fand nur einen 10-er Bares. Könnte knapp werden, dachte ich mir und ging auf die Suche nach nem Geldautomat. So klein wie der Ort ist, gibt’s nur eine Bank und so fand ich die Sparkasse schnell, ging rein und steckte meine Karte erwartungsvoll in den Automat. Das Display war dunkel. Komisch. Als ich dann aus der Wand Stimmen hörte und ein Klopfen, wurde mir ganz anders. Ich schaute Hilfe suchend in die Runde und fand zwar keinen Menschen, aber einen Zettel
„Wir bauen für sie um. Am Freitag, den 06.Mai 2005 bleibt unsere Filiale geschlossen. Wir bitten um ihr Verständnis.“
Bin ich hier bei der versteckten Kamera?, dachte ich bei mir und zog enttäuscht wieder ab. Plan B war mangels Bargeld nun auch gestorben.
Was blieb mir also anderes übrig, als mich in die Bushaltestelle im Ortskern zu hocken und auf den Bus 55 + Fahrtziel zu warten?
Dort saß ich dann noch mal 30 Minuten als ich einen Bus kommen sah.
Jippi, die 55!!! Halt, nein. Es war nur die 55!!!
Dieselbe Busfahrerin lächelte mich freundlich an, als ich nicht einstieg.
Oder sah ich da etwa Schadenfreude? Häme? Spott?
Nicht doch, junge Frau!!! Vorsicht! Machen sie keinen Fehler.
Sowas kann doch jedem Mal passieren!
Oder?
Wir wohnen nun mittlerweile seit September 04 hier und ich bin bisher immer mit dem Auto zu Arbeit gefahren. Mehrfach hatte ich daran gedacht, die Busverbindung mal auszuprobieren für den Tag X, wenn das Auto streikt oder aus anderen Gründen nicht zur Verfügung steht. Doch niemals hatte ich diesen Probelauf wirklich gemacht.
Gestern war dann Tag X.
Es ist einfach mit dem Bus zu fahren. Man nimmt den Fahrplan zur Hand, sucht sich die Strecke aus, findet die Bus-Nr. und wählt eine Haltestelle und Abfahrtzeit. Wenn man dann noch einen Fahrschein hat, kann es losgehen. Wo ist das Problem?
Freitag- Feierabend. Alle Vorbereitungen waren getroffen, ich stand um 17:36 Uhr an der richtigen Haltestelle, der Bus Nr. 55 kam, ich stieg ein, fand einen netten Platz und los ging die Fahrt. Ich war sicher, in ca. einer halben Stunde zu Hause auf der Couch zu sitzen und genoss das Geschaukel und die Aussicht, das Rein- und Rauswuseln der Fahrgäste. Wir passierten diverse kleine Orte, die mir allesamt vertraut waren, da ich die Strecke jeden Tag zweimal mit dem Auto fuhr.
Alles prima bis die Busfahrerin an einer Haltestelle entlang der Landstraße, irgendwo im Nirgendwo, ca. 9 km vor meinem Ziel, durchsagte:
„Endstation bitte alles aussteigen!!
Ein Mann mit Rucksack und ich wurden also gebeten, den Bus zu verlassen. Wir standen in der Pampa und ich schaute ihn ratlos an. Er grinste und meinte, das wäre ihm schon öfter passiert. Der Trick dahinter ist der: Es gibt zwei Busse mit der Nr. 55 zur selben Abfahrtzeit. Auf der Anzeigetafel des einen Busses steht nur die Nummer und auf der des anderen Busses kann man die Nummer 55 und das Fahrtziel lesen. Wählt man den zweiten Bus, dann passiert man meinen Wohnort.
Es ist ganz easy. Einfach nur in den richtigen Bus steigen.
Als er das so erzählte, fiel mir wieder ein, dass ich mich auf der Autobahn gewundert hatte, als ein weiterer Bus Nr. 55 uns überholte. Aber ich dachte, das wäre so, weil Freitagnachmittag eben viele Leute diese Linie benutzten. Jetzt war mir schlagartig klar, dass das „mein“ Bus gewesen wäre.
Alles nicht so schlimm. Das Wochenende stand vor der Tür und ich wollte mir von solchen Nichtigkeiten nicht die Laune versauen lassen. Also studierte ich den Fahrplan an der Haltestelle. Doch oh Schreck!!!!! Der nächste Bus sollte erst in einer geschlagenen Stunde kommen. Mein Leidensgenosse, der wie ich bereits getestet hatte, nicht sehr gesprächig war, zündete sich eine Zigarette an und setzte sich dann auf die Bank in der Haltestelle. Er packte einen Roman aus und fing an zu lesen.
Na Bravo! Somit fiel sein Unterhaltungswert für mich endgültig auf Null.
Plan A: Kurz entschlossen trat ich den geordneten Rückzug an. Mit meiner Lederjacke überm Arm, der übergroßen Handtasche und einem Stockschirm ging ich los Richtung letzte Ortschaft, zwei Bushaltestellen zurück also. Ich wollte die Zeit sinnvoll nutzen und ein paar Besorgungen machen. Wenn dann immer noch elendig viel Zeit wäre, bis zur Abfahrt des ersehnten Busses 55 + Fahrtziel, dann käme Plan B zum Tragen. Ich würde ein Taxi rufen. Die 9km könnten ja nicht soooo teuer werden.
Der Fußmarsch zog sich ganz schön in die Länge. Zum Glück regnete es grade mal nicht. Als ich dann endlich kurz nach 18 Uhr im Zentrum des kleinen Städtchens angekommen war, drückte ich mir die Nase an der verschlossenen Tür des Lebensmittelladens platt. Der Inhaber, der drinnen noch was aufräumte, schüttelte bedauernd den Kopf und meinte durch die Glastür: “Sorry, wir haben geschlossen.“
Toll! Ganz toll!!!
Ich war nun wirklich leicht sauer und wählte Plan B. Vorher checkte ich, was ich an Geld dabei hatte und fand nur einen 10-er Bares. Könnte knapp werden, dachte ich mir und ging auf die Suche nach nem Geldautomat. So klein wie der Ort ist, gibt’s nur eine Bank und so fand ich die Sparkasse schnell, ging rein und steckte meine Karte erwartungsvoll in den Automat. Das Display war dunkel. Komisch. Als ich dann aus der Wand Stimmen hörte und ein Klopfen, wurde mir ganz anders. Ich schaute Hilfe suchend in die Runde und fand zwar keinen Menschen, aber einen Zettel
„Wir bauen für sie um. Am Freitag, den 06.Mai 2005 bleibt unsere Filiale geschlossen. Wir bitten um ihr Verständnis.“
Bin ich hier bei der versteckten Kamera?, dachte ich bei mir und zog enttäuscht wieder ab. Plan B war mangels Bargeld nun auch gestorben.
Was blieb mir also anderes übrig, als mich in die Bushaltestelle im Ortskern zu hocken und auf den Bus 55 + Fahrtziel zu warten?
Dort saß ich dann noch mal 30 Minuten als ich einen Bus kommen sah.
Jippi, die 55!!! Halt, nein. Es war nur die 55!!!
Dieselbe Busfahrerin lächelte mich freundlich an, als ich nicht einstieg.
Oder sah ich da etwa Schadenfreude? Häme? Spott?
Nicht doch, junge Frau!!! Vorsicht! Machen sie keinen Fehler.
Sowas kann doch jedem Mal passieren!
Oder?
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